• Claudia Johanna Vatter

Toxisches Verhalten in Beziehung erkennen und der Realität ins Auge blicken



Wenn du du hier gelandet bist dann wahrscheinlich, weil du das Gefühl hast deine innere Klarheit in Bezug auf das Führen von gesunden und heilsamen Beziehungen ist aus der Balance geraten.

Vielleicht steckst du sogar gerade mitten in einem Prozess zu realisieren, dass du in einer Verbindung mit einem Menschen bist, der dich mit seinem Handeln immer wieder verletzt und es unmöglich ist, sich gemeinsam im Konflikt zu entwickeln.

Verbale und psychische Gewalt kann sehr leise und schleichend sein. Aber gerade diese Verletzungen lassen uns lange sprachlos, fassungslos und tief erschüttert zurück. Oftmals verdeckt und eingebettet in den Alltag, verstecken sie sich hinter der Fassade der Liebe und erst im Laufe der Zeit zeigt sich ihr Gesicht. In der Regel haben wir es in diesem Fall mit Menschen zu tun, die stark narzisstische Züge, eine narzisstische Störung oder eine tief verwurzelte Bindungsproblematik in sich tragen. Das Muster, dass du in einem Moment tief geliebt wirst und im anderen Moment weggeschoben oder eine verletzende Kritik geäußert wird, ist eine von vielen Begleiterscheinungen in diesen Beziehungskonstellationen. (siehe weiter unten rote Flaggen und Marker)

Es fühlt sich nach Untergang an, wenn dir dann von einem auf den anderen Moment die Liebe entzogen oder es dir wie Schuppen von den Augen fällt, von welch grenzüberschreitendem Verhalten du dich nicht mehr distanzieren und schützen konntest.

Ich weiß, das ist einer der heftigsten Momente die es geben kann und trotz all der Intensität und mit allem Schmerz der damit verbunden ist, möchte ich dir sagen: Das ist eine riesengroße Chance dich neu für dich und deine Werte zu entscheiden!


Aber zurück zum Anfang. Kennst du diesen Zustand?


Eine erste kleine Einordnung ob du dich möglicherweise in einer toxischen Beziehung befindest:



Warst du immer ein lebensfroher, lebensbejahender und mutiger Mensch mit viel Energie und aber auch voller Ruhe und Gelassenheit? Seit geraumer Zeit merkst du, wie du dich im Beziehungsgefüge zunehmend weinend, kraftlos, traurig so wie unter permementer Anspannung wieder findest?


Deine innere Stimme sagt dir: Da stimmt was nicht! Dennoch hast du einen wiederkehrenden Impuls, dass wenn du dich nur ein bisschen mehr bemühst, noch mehr dich selbst reflektierst, dann klärt sich alles und wird wieder wie am Anfang?


Machst du Kompromisse, die für dich eigentlich nicht gehen um einen Beziehungsabbruch oder "eingeschnapptes" Verhalten zu vermeiden?


Hast du das Gefühl, dass das Gelingen der Beziehung ganz alleine auf deinen Schulter liegt?


Bemerkst du, dass dein natürliches Verhalten immer mehr blockiert und du dich wie auf rohen Eiern bewegst um einen Konflikt oder eine Diskussion zu vermeiden?


Ihr habt Vereinbarungen getroffen, wie ihr mit der einen oderen Situation umgeht. Diese werden immer wieder gebrochen und dein Partner oder deine Partnerin sagt stets:

"Das habe ich anders verstanden."

"Das haben wir so nicht besprochen."

"Das hast du falsch verstanden."

Langsam bekommst du das Gefühl, dass du deinem Kopf nicht mehr trauen kannst.


Du bist ständig starken Schwanken ausgesetzt was das Thema Freiheit und Verbindlichkeit in der Beziehung betrifft?


Dein Partner oder deine Partnerin legt sehr viel Wert auf das Äußere, kritisiert vielleicht sogar dein Aussehen oder deinen Kleidungsstil?



Was ist nun ganz wichtig für dich zu wissen?



In einer liebevollen und verbundenen Beziehung fühlen sich Konflikte oder konflikthaftes Verhalten nicht als Bedrohung an! Das ist ein erster wichtiger Marker, ob du in einer Partnerschaft bist, die dich trägt oder ob du dich eher auf dem Tanz auf dem Vulkan befindest. Wenn du dich von der Überschrift angesprochen gefühlt hast, dann wirst du gleich wissen was ich meine, und deine innere Stimme hat dir bestimmt auch schon geflüstert, dass in deiner Beziehungen etwas ganz und gar nicht "normal" verläuft.


Ein Punkt der sich in Beziehungen mit Menschen im narzisstischen Spektrum bei den Partnern durchzieht ist folgender Mechanismus: Nach Konflikten entschuldigst du dich für deine Anteile, aber der andere Mensch ist nicht in der Lage zu verzeihen. Darüber hinaus kann er oder sie seine oder ihre Anteile nicht sehen und erkennen; alles gerät in eine machtvolle Schräglage. Du findest dich wieder als Problem und Verursacher und wirst mit der Verantwortung alleine gelassen.

Ich möchte dir an dieser Stelle Folgendes ans Herz legen:


Der Mensch im narzistischen Spektrum sucht sich immer eine starke Person als Partner. Von einer "schwachen" Person würde er oder sie nicht profitieren. Der Glanz und die Kraftquelle sowie eine herzoffene Liebe sind für ihn oder sie lebenswichtig.


Egal was eventuell bei dir für Trigger angesprungen sind, welche Verletzungen aus der Kindheit sich nochmal neu oder retraumatisch gezeigt haben, du trägst weder die Schuld noch die Verantwortung für das Scheitern oder Eskalieren der Beziehung.


Falls du dich trennen möchtest oder gerade frisch mit deinem Partner auseinander bist, so realisiere, dass dies keine "normale" Trennungssituation oder das "reguläre" schmerzhaftes Loslassen einer geliebten Person ist. Wir befinden uns in einem Bereich, der emotional tief verletzend war oder ist und deine Psyche und dein Körper müssen langsam heilen, sich erholen um dann Stück um Stück deutlicher zu sehen, was passiert ist.

Erlaube dir zu erkennen was geschieht oder geschehen ist, verschließe nicht deine Augen und lasse dich weder zum Täter noch zum Opfer stilisieren. In jeder gesellschaftlichen Schicht gibt es grenzüberschreitendes Verhalten. Und je intellektueller, spiritueller oder wohlhabender die Gruppe ist zu der wir uns zugehörig fühlen, desto schwerer und verdeckter ist oft die harte Realität. Gerade auch, weil nach außen sich oft ein ganz anderes Bild zeigt.

Ebenso verstehst du in der Regel nicht mehr wie du in diesen emotionalen Ausnahmezustand gekommen bist; auch das ist ein weit verbreiteter Effekt in einer solchen Konstellation. Der Kern dessen ist tatsächlich, dass du es mit einem Menschen zu tun hast, der innerhalb des Narzissmus oder der Bindungsstörung intensives infantiles Verhalten zeigt und du dich wiederfindest, ihr oder ihm ein reifes, wertschätzendes und emphatisches Miteinander zu erklären. Das strengt an und laugt aus. Sei geduldig mit dir und gehe einen Schritt nach dem Anderen.

Ein wesentlicher Punkt, in oder nach einer Beziehung mit einem Menschen aus dem narzisstischen Spektrum, ist das Erkennen von roten Flaggen und Marker. Meist hast du diese gekonnt beiseite geschoben weil du jemand bist der menschliches Verhalten nachvollziehen und mit Großmut verzeihen kann. Doch es hat sich etwas Stück um Stück in dein Herz gegraben: Unsicherheit, das Gefühl nicht so geliebt zu werden wie du bist, Zweifel und Misstrauen.


Die folgende Liste ist eine Orientierung für dich und du findest im Netz ganz viel weitere Information. Bitte sei dir im Klaren darüber, dass einzelne Situationen oder Verhalten immer mal in einer Beziehung vorkommen können und deshalb noch lange nicht toxisch oder narzisstisch sind. Die Häufigkeit und die Wiederholungen, inklusive fehlender Weiterentwicklung und einem nicht lösungsorientierten oder reflektierendem Verhalten sind der entscheidende Punkt für eine ungesunde Schieflage, die die eigene Psyche und das Wohlbefinden aus dem Gleichgewicht bringen können. Ebenso können psychosomatische Reaktionen die Folge sein.



ROTE FLAGGEN

Dein Körper wird abgewertet oder mit Veränderungen wird nicht taktvoll umgegangen.


Love - Bombing: Du erhälst übermässig viele Liebesbekundungen; am Anfang bist du selbst darüber skeptisch und irritiert, dann wird es zur Normalität.


Deine Emotionen werden als Spinnerei, unbegründet oder anstrengend abgetan.


Nach einiger Zeit in der Beziehung fallen erst ironische, dann immer mehr sarkastische Bemerkungen.


Du wirst weinerlich, hast immer wieder den Impuls die Beziehung zu beenden, ziehst es aber nicht durch, weil dir vermittelt wird, dass du das Problem bist.


Dein Partner oder deine Partnerin kann sich nicht entschuldigen oder nimmt diese entweder immer wieder zurück oder entkräftet sie.


Im Wechsel wirst du mit Liebe überschüttet oder weggestoßen.


Im Gespräch: Du erzählst etwas von dir und sofort wird der Inhalt aus seiner/ihrer Sicht dargestellt oder zu seinem/ihrem Thema gamacht.


In der Sexualität wird dein ganzer Körper selten liebkost. Es wird sich auf das Wesentliche fokussiert. Deine Einladungen das zu verändern und eine andere, tiefere Form der Inimität auszuleben äußerns sich bei ihm oder ihr in Lethargie und Müdigkeit.



WICHTIGE MARKER

Deine Nähe kann weitgehend nur dann zugelassen werden, wenn es von ihrer/seiner Seite passt.


Dir begegnen Sätze wie:

"Also ich wollte ja ganz normal und ruhig mit dir reden, aber da ist ja nichts zu machen."

"Du bist immer gleich so emotional."

"Ich bin so wie ich bin und damit musst du eben klarkommen."

"Du hättest dich ja abgrenzen können"


Dein Gegenüber entscheidet sich im Konflikt aus der Verbindung auszusteigen und gegen eine Klärung. Eine Affäre wird zum Trost und zur Anerkennung gesucht.


Kritik bedeutet immer Angriff und es erfolgt Liebesentzug, Silent Treatment oder bockiges Verhalten.

Deine Emotionen werden als Spinnerei, unbegründet

Du ertappst dich, dass du immer wieder um gemeinsame Zeit bittest und hast im gleichen Zug das Gefühl, dass du zu viel erwartest.


Dein Gegenüber betont häufig, dass ihr oder ihm ein harmonisches Miteinander sehr wichtig ist. Infolge dessen wirst du immer für Störungen verantwortlich gemacht.



Wenn dir, nachdem du das gelesen hast heiß und kalt wird, Tränen beginnen zu fließen oder du innerlich diese Verhalten zu entschuldigen oder zu rechfertigen beginnst, dann empfehle ich dir, dich einem vertrauten Menschen mitzuteilen und deine Empfindungen zu schildern.

Eine gutes Feedback kann dir helfen zu erkennen, ob es um eine konfliktreiche oder um eine grenzüberschreitende Beziehung geht.

Habe den Mut dich diesem Prozess zu stellen und ich wünsche dir viel Kraft und Liebe für dich selbst.


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