• Claudia Johanna Vatter

Über die weibliche Lust und die Klitoris

"Die Liebe oder Süße der Venus"


war ein Vorschlag des Forschers Matteo Renaldo Colombo (1599) um der Klitoris einen Namen zu geben und dann hat es gedauert bis 1989! Dr. Helen O´Connell ein umfassendes Bild und eine vollständige Forschung über sie abgeschlossen hat. Bis heute versucht sie diese Wissen zu verankern, klärt auf und verbreitet ihre Untersuchungsergebnisse. Erst langsam setzt sich ihre Bedeutung und Wichtigkeit in der Medizin, in den Medien und in unserer Kultur für das weibliche Empfinden von Lust und in Bezug auf den Orgasmus durch.



Nach wie vor gibt es in Schulbüchern wenig korrekte Abbildungen und nach wie vor wissen Frauen und Männer oft nicht, dass die sichtbare Klitoris nur die Spitze ist und sich über 90 Prozent der Schwellkörper und Nervenstränge innerhalb des Körpers befinden (die Klitoris hat z.B. über 8000 Nervenenden).


Auch das Bild, dass die Frau alleine durch die Penetration zum Orgasmus kommt ist noch als Norm gegeben und weit verbreitet. Pornos tragen ihren Teil dazu bei, dass diese Vorstellung in den Köpfen bleibt, sich nicht auflöst und nach wie vor verfestigt.


Und da wäre z.B. auch noch Freud (und das ganze Patriarchat) der schrieb, dass der vaginale Orgasmus der Bessere, der erwachsenere Orgasmus sei. Der Klitorale dagegen sei der minderwertigere, weil in seiner Theorie die höchste Lust nur durch das männliche Glied erzielt würde. Das scheint sich lange in den Köpfen der Menschen gehalten zu haben.


Aber selbst im Tantra und vorallem auch im Neo-Tantra, gibt es Strömungen und Richtungen wo die Frau als Göttin der Leidenschaft eine Rolle zugeschrieben bekommt die auch wieder ein sehr eindimensionales Bild der weibliche Lust und Hingabe zaubert. Hinzu kommt, dass die Lingam-Massage in der Zwischenzeit eine recht hohe Bekanntheit angenommen hat, die Yoni-Massage hingegen eher weniger.


Aber bleiben wir bei der Klitoris: Nach Gesprächen mit Frauen und Männern dazu und aus eigener Erfahrung, gibt es nach wie vor Männer, die sich in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlen, wenn Frau sich selbst während des Liebesaktes berührt. Sätze wie „du musst dich beim Sex eben mehr hingeben, dann klappt das auch mit dem vaginalen Orgasmus“ oder aber der Vorwurf dominat mit der eigenen Lust zu sein gehen damit einher.


Erst neulich erzählte mir ein Freund, dass ihn eine Frau einmal gefragt hat, ob es ihn auch stören würde, wenn sie sich selbst berühre. Das zeigte mir noch einmal deutlich, dass wir weiter das Thema im Gespräch und in der Öffentlichkeit präsent halten sollten.

Ich persönlich und viele andere Frauen haben in ihrem Leben auch die Erfahrung gesammelt, dass sie vielen Männern erst zeigen und erklären müssen, was es mit der Klitoris auf sich hat, was und wie sie es erregend und schön finden. Sie müssen immer wieder von neuem, selbst in einer längeren Partnerschaft den Mann erinnern, sich mehr der Klitoris wieder zu widmen. Aufgrund der Geschichte der weiblichen Lust und Sinnlichkeit, den Machtstrukturen und den Mythen der sie unterlag und zum Teil noch unterliegt verständlich, aber unbedingt verändernswert. Die weibliche Knospe scheint immer wieder aus dem Bewusstsein „wegzurutschen“.

Auch wenn der Liebesakt fernab vom Orgasmus und der Erregung an sich noch viele weitere wunderbare Facetten hat und nicht im Vordergrund stehen muss, da bin ich ganz Tantra, so möchte ich doch mit diesem Text die Schönheit und den Zauber der von der Klitoris ausgeht in Erinnerung rufen.


Meine Botschaft an die Männer:

Bitte setzt euch mit der „Süße der Venus“ auseinander. Überlegt wie ihr sie liebkosen und wie ihr sie in das Liebesspiel mit einbeziehen könnt. Seid kreativ und legt eueren Fokus stärker auf diesen Bereich. Seid nicht gelangweilt oder betrachtet es als „Knopf“ um die Frau auf Touren zu bringen, sondern taucht ein in die wunderschöne Energie wenn ihr die Spitze des Lustzentrums der Frau berührt. Und vorallem fragt nach, welche Intensität der Partnerin gefällt.


Meine Botschaft an die Frauen:

Seid Teil der Bewegung mit eurer Klitoris eine warme und offene Verbindung einzugehen die euch die volle weibliche Kraft und Lust fühlen lässt. Erzählt den Männern wie und was ihr braucht, was ihr euch wünscht und wie es euch gut tut, dort berührt zu werden. Nehmt sie mit auf eine Entdeckungsreise und haltet euch nicht zurück.


Und zum Schluss noch ein wenig Wissen: Wusstet ihr das die Klitoris ein Leben lang wachsen kann? Das ist auch einer der Gründe, warum einige Frauen im Alter einen intensiveren Orgasmus spüren und auch mit zunehmendem Alter ein rein vaginaler Orgasmus wahrscheinlicher wird, da durch die zunehmende Größe des „Organs“ die Reibung bzw. der Druck auf die Nervenenden ausgeprägter wirkt.

In diesem Sinne habt Spaß und Freude an eurem Körper, zu jederzeit und in jedem Abschnitt eures Lebens.


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